Bienwald-Halbmarathon

bienwald

Und es ging wirklich bergab! Nicht nur topografisch, sondern auch von den Zeiten pro Kilometer. Aber alles der Reihe nach… Es war ein nasser Sonntag Morgen, als ich nach Kandel in die Pfalz aufbrach. Von Karlsruhe ist das nicht weit, im Prinzip direkt auf der anderen Seite des Rheins. Für meine Halbmarathon-Premiere eine ganz gemütliche Angelegenheit also. Und gemütlich wollte ich alles auch angehen lassen, schließlich war die Vorbereitung mit durchschnittlich gerade einmal zwei Läufen pro Woche zuvor alles andere als optimal. Die 1:30:00 h wollte ich allerdings unterbieten!

Nachdem ich die Startnummer abgeholt hatte, musste ich mich entscheiden: Laufe ich mit den Rennschlappen “Asics DS Racer” oder nehme ich die bequemeren “Asics DS Trainer” – ich griff zu den giftgrünen Racern, eine Wahl, die sich sinngemäß anschließend als “dumm gelaufen” bezeichnen läßt… A propos “Wahl” – am Start reihe ich mich in Block 2 ein und bemerke ein aus der Politik berühmtes Gesicht an der Linie. Kurt Beck, Ministerpräsident des Landes Rheinland-Pfalz, ist auf Stimmenfang für die Landtagswahl. Hätte er sich mal Joschka Fischer als Vorbild genommen und wäre mitgelaufen… Aber den Umgang mit der Startpistole beherrscht er ganz gut!

Zum Lauf: Die ersten Kilometer verlaufen gut, ohne Probleme halte ich einen Schnitt von 3:56 min/km. Eigentlich zu schnell, aber es läuft einfach. Alle 5 Kilometer gibt es Verpflegung, das Trinken im Laufschritt erweist sich allerdings jedes Mal als eine Kunst für sich. Es geht durch mehrere Dörfer, einige Pfälzer schauen aus dem Fenster und winken. Euphorie über eine Laufveranstaltung sieht aber anders aus. Alles sehr gemütlich eben. Bei Kilometer 9 biegt das Feld auf die lange Gerade im Bienwald ein, die schon auf dem Streckenplan verdächtig monoton aussieht. Diese Gerade geht es erst in die eine Richtung hoch, dann wieder runter. Und das für jeweils etwa 3 zähe Kilometer.


(Bilder von go4it-foto.de)

Die 10 Kilometer erreiche ich nach 0:39:42 h, noch sieht es nach einer hervorragenden Zeit aus. Aber am Wendepunkt bei Kilometer 13 kommen langsam Zweifel, die Füße schmerzen und irgendwie läuft es nicht mehr rund. Also doch das falsche Schuhwerk? Nach und nach überholen mich immer mehr Läufer, bei Kilometer 18 ist dann endgültig Feierabend und der Mann mit dem Hammer schlägt mit aller Kraft zu. Irgendwie komme ich nicht mehr vorwärts, Erschöpfung ist es jedoch nicht, denn der Puls liegt nur bei etwa 170 bpm. Um aber wenigstens die 01:30:00 h zu unterbieten, versuche ich alle Reserven zu mobilisieren, laufe noch einmal 4:16 min/km und erreiche das Ziel nach 1:29:09 h. Das bedeutet Platz 128 (Platz 27 in M30) von 1288 Läufern, also sogar noch unter den besten 10%.

Auf der einen Seite bin ich sehr zufrieden, da ich die 90 Minuten schon beim ersten Halbmarathon meines Lebens geknackt habe und das auch noch mit einer eher überschaubaren Vorbereitung. Auf der anderen Seite wäre durchaus mehr drin gewesen. Für den Freiburg-Halbmarathon in drei Wochen habe ich einiges gelernt:

  • Die DS Racer sind super Schuhe für Distanzen bis 10 Kilometer, für längere Läufe greife ich künftig zum DS Trainer.
  • Das Tempo zu Beginn werde ich nicht mehr so hoch angehen.
  • In der zweiten Hälfte des Halbmarathons sollte eine Temposteigerung drin sein, daher halte ich mich an realistische Ziele.

Ursprünglich sollte der Bienwald-Halbmarathon ein Probelauf für mich sein. Das war er durchaus. Durchaus erfolgreich aber auch!

Veröffentlicht von Florian Bernard

Hier schreibe ich über das Laufen, aber auch über Kommunikation und Marken auf diesem Gebiet.

10 Kommentare

  1. hey flo :)
    glückwunsch zum erreichen der erhofften zielzeit. sauber! gette gefällt das ! … dein blog auch.

  2. Es braucht seine Jahre, bis man den langsamen Start gelernt hat ;-)

    Dennoch – Glückwunsch, trotz der Qual ja noch sauber die Zeit nach Hause gebracht!

  3. Danke euch beiden!

    Ich hoffe, ich lerne die Kunst des langsamen Starts noch – ich werde mein Training in den nächsten Wochen bis Freiburg darauf ausrichten und nur noch mit max. 6:00 min/km durch die Gegend traben um mich zu bremsen…

    Ob das hilft werden wir sehen :-)

  4. Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass langsames Laufen im Training hilft. Der langsame Start ist eine reine Kopfsache und benötigt eine gewisse Gelassenheit und die entsprechende Erfahrung. Ich habe es im letzten Jahr endlich hinbekommen. Man muss es sich immer wieder einreden und sich wirklich darauf konzentrieren – aber es hilft ungemein. Vor allem gibt es noch einmal einen deutlichen Schub, wenn man auf den restlichen 18 Kilometern nur noch am Überholen ist ;-)

  5. Wow. Gratuliere zu der Zeit – wenn auch der Lauf nach deinen Eindrücken nicht optimal gelaufen ist. Du weißt ja selbst, dass für die meisten Leute eine 1:29 nie erreichbar wäre…

    Ich bin gespannt auf deinen Bericht von Freiburg

  6. Danke – du hast natürlich recht, das ist Mosern auf hohem Niveau :-)

    Den Freiburg Halbmarathon konnte ich kurzfristig leider garnicht antreten, werde trotzdem diesbezüglich demnächst etwas schreiben…!

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