Ein Test ist nur so gut wie der Tester selbst!

Heute morgen habe ich mit dem Blick auf meine Twitter-Timeline wieder festgestellt, dass neben mir doch einige Läufer momentan mit Produkttests beschäftigt sind. Das müssen nicht zwangsweise Schuhe sein wie etwa der Saucony Mirage bei mir. Ebenso werden auch Pulsuhren, Shirts oder sogar Kompressionsstrümpfe von verschiedenen Personen auf Herz und Nieren getestet.

Diese sind natürlich nicht durch das Zufallsprinzip ausgewählt. Den Herstellern geht es darum, möglichst viele virale Effekte aus den Testaktionen zu ziehen. Und das nicht wie früher nur über Gespräche, sondern heute über die Kommunikationskanäle des Internets. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass sie relativ wenig kostet und einen hohen Nutzen verspricht – wenn denn richtig angewandt. Die Voraussetzung ist natürlich auch ein Produkt, über das es sich zu erzählen lohnt und den Tester begeistert. Aber wichtigstes Glied in der Kette ist der Tester selbst – denn der Test ist nur so gut wie der Tester selbst!

Ich selbst teste momentan einen Schuh von Saucony: Ich habe den Schlappen kostenlos erhalten und keinerlei Verpflichtungen und Auflagen erhalten, ich bin nicht gezwungen positiv über das Produkt zu schreiben und auch nicht in mehrmaliger Ausführung. Da mich der Schuh nun aber tatsächlich aus den Socken haut (im wahrsten Sinne des Wortes, ich habe den Schuh auch barfuß getestet…), schreibe ich gerne darüber und äußere mich auch in Foren, sozialen Netzwerken und auch in “richtigen” Gesprächen eigentlich nur gut darüber. So entsteht bei vielen ein Bild der Marke, die sie zum Teil noch nicht kennen oder noch nicht gekauft haben.

Wir Tester dienen als sog. Multiplikatoren, denn durch unseren viralen Beitrag kommen weitere potentielle Nutzer mit dem Produkt und der Marke in Kontakt. Wir stellen bildhaft gesprochen vor weiteren Haustüren positive Meinungen ab, über die andere dann stolpern. Je mehr Haustüren und je öfter dort etwas liegt, umso größer ist der Effekt. Daher ist es wenig zielbringend, wenn ein Tester nur einen kleinen Bericht schreibt mit dem Fazit der Schuh sei ganz gut.

Eine Marke und ein Produkt lebt von einer Story, einer Geschichte. Und da kommt dann der Hersteller ins Spiel, der der Geschichte eine Bühne geben kann. Und das hat Garmin jetzt ganz gut gelöst im Rahmen der Testphase des Forunners 610 – ich war leider kein Tester :-(

Der Hersteller hat u.a. allen Testern einen Blog zur Verfügung gestellt, auf dem alle Berichte zusammengeflossen sind. Berichte leben von Bildern – Garmin hat alle Tester mit Shirts ausgestattet, damit die auch auf allen Berichten gut aussehen. Und natürlich blau weiß tragen, die Farben des Herstellers. So wurde die Wiedererkennung der Marke garantiert, Zauberwort CD (Corporate Design). Das Produkt ist sehr teuer (ich habe den FR305, der langt mir), muss die Tester aber überzeugt haben. Denn wenn dann zum Abschluss von einem Tester noch so etwas erstellt wird, dann ist das das Sahnehäubchen einer erfolgreichen Kampagne. Hut ab, André!

Und wenn die Marke die schnelle und direkte Kommunikation des Webs nutzt, das neue Produkt erläutert und dadurch (be)greifbar wird, dann sind die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Testlauf erfüllt. Und der Effekt ist im Vergleich zu einer Printkampagne oder einem TV-Spot spottbillig, wirkungsvoll und vor allem echt und ehrlich! Und ich habe jetzt dazu beigetragen, nur aufgrund der Kampagne und ohne das Produkt zu kennen…

Veröffentlicht von Florian Bernard

Hier schreibe ich über das Laufen, aber auch über Kommunikation und Marken auf diesem Gebiet.

5 Kommentare

  1. Danke für den schönen Artikel über uns als Tester!

    Ich kann dir nur zustimmen, wobei wir uns denke ich auch im klaren sein sollten, inwiefern wir hier “benutzt” werden. Wichtig ist dabei immer, dass man ehrlich seine Meinung rüber bringt und nichts Negatives verschleiert.

    Im Fazit der 610er-Testberichte klang es für mich (fast?) danach, dass die Uhren zurückgegeben werden müssen? – Da würde für mich die Grenze zum Ausnutzen überschritten werden. Auch wenn man gerne nutzt – wir sollten mehr als einen Monat “Spaß” davon haben. – Aber vielleicht bin ich den Testberichten auch einfach zu kritisch gegenüber eingestellt, weil ich einfach noch immer nicht die riesigen Vorteile im 610er sehe, die den “riesigen Hype” berechtigen würden.

  2. Die genauen Umstände des Tests des FR610 kenne ich nicht genau, ich hatte nur Spaß am Lesen der Berichte. Ich werde aber so wie du weiterhin mit dem 305er unterwegs sein.

    Ich kann auch nur von meinem Testobjekt sprechen. Ich bin froh um den Schuh, den ich behalten kann, denn der ist wirklich top – abgesehen von der schnellen Gangart wie in einem vorigen Bericht beschrieben, da gibt es besserer Schuhe.

    Rückgabe (egal welches Produkt) wäre schon dreist, es sei denn es handelt sich um ein Auto oder was weiß ich. Aber Garmin würde durch das Verschenken von 12 Uhren nicht arm, oder?

    Ich kenne in meinem Umfeld zwei Leute, die durch mich an Saucony kamen, daher ist es im Prinzip eine Win-Win-Situation. Ich beschwere mich jedenfalls nicht :-)

  3. Hallo Florian,
    interessant ist für mich, dass die sogenannten “Influencer” im Social Media sich ihrer Rolle durchaus bewusst sind. Ein gutes Produkt ist immer noch das beste Marketing und die Meinung der Menschen, die es verwenden, letztlich unbestechlich.
    Ein bisschen neidisch auf Andrés Garmin bin ich aber doch ;-)

  4. Ich kam auch bereits einmal in den Genuss eines Testproduktes, bin aber jetzt über meine neue Unbedeutungslosigkeit froh. Auch wenn die Sache ohne ausgesprochene Verpflichtungen war, fühlte ich mich gewissermassen unter Druck und nicht frei in meinen Beiträgen. Das Ende des Testzeitraums war dann wie eine Befreiung.
    Wenn ich Berichte anderer Tester lese, bin ich oft auch nicht besonders begeistert. Heruntergeleierte Fakten, kopierte Herstellertexte und verblendete Lobhudelei oderüberzogene Kritik. Dazu der momentane fast schon spamartige Nachrichtenoverflow gewisser Schuh- und Technikhersteller und das lemmingartige Lechzen der User nach kostenlosen Gaben.
    Deine Aussage trifft es aber auch genau. Der Test ist nur so gut wie sein Tester.

  5. @Mathias: Ja, neidisch kann man sein, die Uhr ist verdammt gut. Nur teuer… :-/

    @Chris: Du hast recht, das meinte ich mit Story. Nur ein Bericht, der den Pressetext wiedergibt, ist langweilig und nicht ehrlich. Und mir erscheint es momentan auch so, dass es viele, viele, viele Tests gibt. Glück hat dann eben der, der gute Tester findet und dessen Produkt auch noch gut ist. Aber das Testen mit einem VErschenken von Schuhen gleichzusetzen ist ein Irrglaube :-)

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