Ganz so ernst, wie der Titel es vermuten lässt, soll der Artikel nicht werden. Hoffe ich. In den letzten Wochen habe ich mehr oder weniger im Niemandsland trainiert. Drei Wochen durch eine Angina außer Gefecht gesetzt, konnte die Vorbereitung für den Halbmarathon in Karlsruhe erst 4 Wochen vor dem Startschuss am Sonntag beginnen. Eigentlich unmöglich, da noch etwas zu reißen – die einzige Möglichkeit war die Umstellung auf einen eher unkonventionellen Trainingsplan! Doch ob der funktioniert? Das weiß ich genau erst im Ziel, abschätzen kann ich es aber in etwa. Das muss ich auch, schließlich hängt die Taktik für den Lauf auch davon ab.
Während des Intervall-Laufs heute Morgen konnte ich mir meine Gedanken machen und habe auch versucht die Antwort auf die drei elementaren Fragen zu finden: Funktioniert eben jener Trainingsplan, welche Zeit ist drin und wie sieht die Taktik aus, welches Schuhwerk wird benutzt?
Erkenntnis Trainingsplan
Nach momentanem Leistungsstand würde ich behaupten, dass dieser wirklich funktioniert. Die Idee war, sich von der 7-Tage-Einteilung mit lockerem Lauf, langem Lauf und Intervall- oder Tempolauf zu lösen und zwei Läufe in eine Einteilung von vier Tagen zu packen. Den Plan habe ich (fast) so durchgezogen, lediglich an einem Morgen hatte ich keine Lust. Das darf auch mal sein! Mit einem Blick auf die Statistik kommen hier übrigens kaum mehr Wochenkilometer zusammen als gewöhnlich. Trotzdem ist die Vorbereitung intensiver, da mehr Qualitätseinheiten auf dem Programm stehen. Aufpassen muss man daher vor einer “Überlastung”, die sich eher nachteilig auswirken würde. Bei schweren Beinen habe ich daher lieber einen Gang zurückgeschaltet oder eben auch mal ganz pausiert. Vor der jetzt kommenden kurzen Tapering-Phase mit noch zwei lockeren Läufen bin ich aber guter Dinge!
Erkenntnis Zielzeit und Taktik
Welche Zeit drin ist, werde ich hier erstmal nicht rausposaunen
Ich kann nur soviel verraten, dass eine neue PB ziemlich realistisch ist (1:29:08 h) – für diese Einschätzung war der letzte lange Lauf des Traingsplans über 20 km in ca. 1:26 h maßgeblich. Ich muss mich nun im Wettkampf wieder zwingen, den Lauf moderat zu beginnen, um auf der zweiten Hälfte nicht unterzugehen. Das wird wohl wieder am schwierigsten… Aber eine Temposteigerung muss drin sein, nach der Hälfte sollen die Kilometer im Schnitt um 3 Sekunden schneller fallen. Taktik ist alles. Sagt man.
Erkenntnis Schuhwerk
Dann stellt sich noch die Frage des Schuhwerks. Völlig pillepalle werden nun einige denken. Ist es aber wirklich nicht. Eigentlich wollte ich einen Racer anziehen – den hatte ich heute morgen an und es war schnell klar, dass ich den nicht anziehen werde. Er ist leicht – und das soll der Schuh ja auch sein – aber ich denke, dass mir zum Ende die Dämpfung fehlt. Außerdem wirkte es heute “wackelig”. Daher werde ich wohl mit dem Saucony Mirage an den Start gehen, den ich jetzt gewohnt bin. Etwas schwerer, aber auch wesentlich angenehmer auf längerer Distanz. Testberichte finden sich auf dem Blog ja genügend! Mal schauen, ob der Schuh wirklich wettkampftauglich ist. Endlich putzen werde ich ihn dann auch, wird Zeit.
Das war heute Morgen also tatsächlich ein Lauf zur Erkenntnis. Ob die Erkenntnisse auch zum Ziel führen verrate ich nach dem Halbmarathon am Sonntag. Aber zuerst nur kurz und knapp auf Facebook und Twitter. Denn eine weitere Erkenntnis von früher ist: Der Artikel wird erst später geschrieben, nach dem Wettkampf ist es dann gut für den Tag. Übertreiben muss man nichts. Oder?
(Wickiebild von batigolix)

Hallo Florian,
naja – ganz so abwegig ist Dein “neues Trainingssystem” nicht. Ich kenne das aus dem Krafttraining. Nennt sich dort das “Hatfield-System”, nach dem “Erfinder” Dr. Frederick Hatfield. Im Wesentlichen geht es dabei darum, abweichend von der normalen Periodisierung über mehrere Monate, die entsprechenden Trainingsreize immer wieder in eine Woche oder sogar eine Trainingseinheit zu packen. (eine gute Beschreibung gibt es hier: http://www.bambamscorner.com/training/systeme/hatfield.html) Und Deine ansteigende Form zeigt Dir ja, dass es durchaus funktioniert.
Zum Thema “Renntaktik” kann ich Dir nur beipflichten! Die anfängliche Zurückhaltung fällt i.d.r. schwerer, als die späterer Steigerung. Habe ich bei meinem letzten Lauf auch wieder zu spüren bekommen. Hier hilft wohl nur eiserne Dispziplin, sich an die eigene Marschtabelle zu halten.
Den Mirage hatte ich auch mal ins Auge gefaßt. Aber irgendwie war er mir beim ersten Anprobieren schon zu eng geschnitten. Habe mich dann für den Puma Faas 500 entschieden und die Wahl noch nicht bereut. Auch ein Klasseschuh! Aber ich denke, für schnelle 21,1km ist der Mirage in jedem Fall tauglich. Man sieht ihn ja auch immer öfter bei Wettkämpfen.
Na dann – bleibt mir nur noch alles Gute und maximalen Erfolg für Karlsruhe zu wünschen! Ich bin am Sonntag auch über die 21,1km am Start. Hier in Köln beim “Lauf rund um den Fühlinger See”. Meine Meßlatte liegt aber vorerst noch bei 1:38h. Mal schauen, was am Sonntag so geht ….
Grüße aus Köln!
Mario
Na, du läufst im Training ja bereits fast die gesamte Wettkampf-Distanz im Renntempo! Da hängt es wahrscheinlich wirklich „nur noch“ an der Taktik und den Wetterbedingungen… Ich wünsche dir einen tollen Lauf!
Ich danke euch beiden und hoffe auch auf einen guten Lauf am Sonntag. Momentan ist für Karlsruhe Regen bei 15° für SO angesagt. Dann wird es zumindest nicht zu warm…
Mario, ich drücke dir auch die Daumen für SO und bin gespannt wie es bei dir läuft!