Turmberglauf 2011

Oder: Wie man eine schon gewöhnungsbedürftige Streckenführung noch schlechter macht. Das soll nicht im Vordergrund stehen, ein Genuss war der Wettkampf aber jedenfalls nicht. Aber welcher Wettkampf ist das schon? Schließlich steckt das Wort Kampf in dem Wort.

Eigentlich war ich sogar zuversichtlich eine neue PB aufzustellen über die 10 km. Das war allerdings Tage zuvor. Im Vorfeld habe ich meine Wunschstartnummer ergattert, eine prima Zeit über die Halbmarathondistanz hingelegt und wollte daher auch beim nächsten Heimspiel in Durlach punkten. Aber Pustekuchen.

Passend zu meiner Startnummer 666 habe ich mich zwar mit dem Iron Maiden Song “The Number of the Beast” noch motivieren können, zwei Tage Renovierungsarbeiten und eine damit verbundene Nacht(un)ruhe auf der Couch hatte ich aber auch in den Knochen. Das unterschätzt man dann doch…

Den Blaumann also aus, direkt rein in die Laufklamotten und gerade so noch die Startnummer abgeholt. Schon hier eine knappe Sache. Auf dem Weg dorthin habe ich bereits meine weichen Knie bemerkt, aber was soll’s. Entgegen des letzten Jahres habe ich mich nicht weiter hinten am Start eingereiht, sondern mit dem Ziel auf eine Sub 37 weit vorne. Trotz der Hinweise und der Bitte des Starters, dass alle Läufer, die über 45 min laufen, sich hinten einreihen, waren ganz vorne wieder Läufer dabei, die sich maßlos überschätzten. Da sollte künftig vielleicht mit einer Blockeinteilung gelöst werden. Startschuss um Punkt 16:00 Uhr: Wieder ein Gedrücke und Geziehe, um irgendwie aus der Masse nach vorne zu kommen. Wer findet mich auf dem Wimmelbild?

Irgendwann und Ellenbogen sei Dank kann ich frei laufen und bin vorne dabei. Die Strecke verläuft zum Anlaufen zweimal durch den Altstadtring. Es läuft gut und ich schaue auf den Forerunner. 3:40 min/km – doch irgendwie kommt mir das schneller vor. Nach dem zweiten Kilometer 3:37 min/km, langsam wird es wohl. Die Strecke verläuft nun relativ gerade, trotzdem merke ich, dass es ungewohnt anstrengend ist. Liegt es an den Bedingungen? Es hat es um die Uhrzeit 26°C und die Strecke kommt ohne Schatten aus. Getränkestationen hat es auch nicht. Also ist wieder Qual und Kampf angesagt. Aber noch bin ich gut unterwegs.

Es geht raus zur Schneckenbrücke und an der Pfinz entlang zu einem der zahlreichen Wendepunkte. Und das ist der Knackpunkt. Bis hier war der Schnitt noch vertretbar, eine Sub 37 würde es nicht werden, aber zumindest im 38er-Bereich habe ich mich gesehen. Zumindest schneller als letztes Jahr. Aber wie schon bemerkt: Pustekuchen.

Die Streckenführung besitzt unglaublich viele enge 180° Wendepunkte, für große und schwere Läufer kein Vergnügen, da der Schwung fast komplett verloren geht. Darauf hatte ich mich eingestellt, trotzdem komme ich bei Kilometer 8 nicht mehr richtig in Fahrt. Meine Beine wollen auch nicht mehr so wirklich und ich möchte nur noch irgendwie den Lauf beenden. Möglichst im Ziel. Bis zu dem Zeitpunkt sind einige Läufer schon ausgestiegen, ich bin auch kurz davor. Die Streckenführung, die Hitze und die fehlende Flüssigkeit sind tödlich.

Dieses Jahr wurde die Strecke etwas abgeändert, was dann das i-Tüpfelchen sein sollte. Auf einer Wegbreite von ca. 2 m verläuft die Strecke in beide Richtungen. Als ich an die Stelle komme, werde ich vom Läuferpulk, der mir nun entgegenkommt, quasi “überlaufen”. Da hat sich niemand etwas gedacht oder man war der Meinung aus dem Turmberglauf einen Hindernislauf machen zu müssen.

Die Geschwindigkeit bei Kilometer 9 ist daher dann auch überschaubar, sogar eine Sub 40 wird jetzt knapp. So weit darf es einfach nicht kommen und mit den letzten Reserven rette ich 39:37 min über die Ziellinie. Meine Mütze landet direkt in der Ecke, ihr folgen kurz darauf Schuhe und Socken. Erstmal beschissen gelaufen!?

Aber: Die meisten Läufer, die auch letztes Jahr gestartet sind, sind ca. 1,5 – 2 Minuten langsamer gewesen. Von daher kann ich doch zufrieden sein und die erst einmal “schlechte” Zeit hat zu einem guten 28. Platz gereicht. Und ich war wieder vor der schnellsten Frau. Wenn auch nur knapp :-) .

Trotzdem sollte der Veranstalter die Streckenführung im nächsten Jahr überdenken und flexibel auf die Temperaturen reagieren. Bis zu 10 km ist es keine Pflicht Wasserstände in die Strecke zu integrieren, trotzdem sollte man bei einem Volkslauf Rücksicht auf die Läufer nehmen, wenn die Temperaturen so hoch sind. Scheinbar hatten Sanitätsdienste alle Hände voll zu tun. Es laufen schließlich auch genügend Läufer mit, die sich und ihren Körper überschätzen. Sogar ziemlich viele der 728 Finisher. Fast hätte ich auch dazu gehört. Aber nur fast.

Hier ist der Lauf – sieht so eine sinnvolle Streckenführung aus? Was meint ihr…?

Veröffentlicht von Florian Bernard

Hier schreibe ich über das Laufen, aber auch über Kommunikation und Marken auf diesem Gebiet.

10 Kommentare

  1. Bei solchen Läufen muss man den Lauf schon vorher abhaken, um mit einem Lächeln über die Ziellinie zu kommen. Für das nächste Jahr weißt du es ;-)

  2. Hmm, mich wundert das auch, dass Du ausgerechnet da versuchst eine PB aufzustellen. Der Hardtwaldlauf der LSG KA ist da geeigneter, die Strecke ist schnell und der Lauf ist perfekt organisiert. Bin aus gutem Grund am Turmberg nur einmal gelaufen :-)

  3. Den Turmberglauf laufe ich, da ich um die Ecke wohne – Heimatverbundenheit :-) Ob ich mir das nächstes Jahr aber erneut gebe weiß ich noch nicht.

    Vom Level her wäre wohl auf jeder anderen Strecke zu einer früheren Uhrzeit was drin gewesen. Jetzt hol’ ich das halt am 1.11. auf dem Hockenheimring nach – übrigens auch ein äußerst schneller Kurs…

  4. Hallo Florian,

    oje, oje – die Streckenführung gleicht ja eher einer panikartigen Flucht! ;-)

    Trotzdem noch sub40h – wenn auch weit entfernt von Deinen eigentlichen Möglichkeiten, aber allemal ein gutes Ergebnis.

    Ich denke, jetzt wird der Hockenheimring erst recht brennen …. ;-)

    Grüße aus Köln!
    Mario

  5. Gegenverkehr auf 2 Meter Breite? Unglaublich! Bei den Bedingungen (Strecke, Hitze, keine Getränke) trotz alledem eine sehr sehr starke Leistung, gräme dich nicht…

  6. Die Streckenführung sollte der Veranstalter wirklich überdenken. Sieht auf der Karte katastrophal aus.

  7. @Michael: Ja, die Strecke ist wirklich nicht der Hit, denke aber nicht, dass da groß was geändert wird…

    @Mario: Ob der Hockenheimring brennen wird, weiß ich nicht, momentan schwere Beine :-)

    @Ich gräme mich nicht – bin über das kühlere Wetter nun aber froh :-)

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