Nach der gescheiterten Jagd nach einer neuen Bestzeit auf der 10km-Distanz einen Monat zuvor beim Turmberglauf habe ich die volle Konzentration auf den Hockenheimringlauf gelegt. Voll heißt leider in letzter Zeit nur zwei Läufe pro Woche, das hätte besser sein können. Trotzdem kann man optimistisch an den Start gehen. Zwei Runden auf der Rennstrecke, ein sehr schneller Kurs. Ein Jahr zuvor bin ich hier eine Bestzeit von 37:42 min gelaufen.
Allein von den Rahmenbedingungen also hervorragende Voraussetzungen, auch das Wetter hat mitgespielt. Ein spätherbstlicher Vormittag, kühl, trocken und sonnig. Einziges Problem: Meine Motivation ist zuhause liegengeblieben, vergeblich habe ich in meiner Tasche danach gesucht. Da aber meine Frau und mein Sohn mit dabei waren, hat sich das dann mehr als nur wieder ausgeglichen.
Der Fokus der Veranstaltung lag im Vorfeld auf der Teilnahme von Sabrina Mockenhaupt. Meine Serie, auf der 10km-Distanz immer vor der schnellsten Frau ins Ziel zu kommen, war also mehr als gefährdet. Da aber der Frankfurt-Marathon zwei Tage vorher Fräulein Mockenhaupt zum Verhängnis wurde und sie verletzungsbedingt nicht antreten konnte, war wieder alles drin. So habe ich mir bei der Startaufstellung zusätzlich spontan das Ziel gesetzt, auch in Hockenheim wieder die Damen hinter mir zu lassen.
Wie jedes Jahr wird von zwei Punkten aus gestartet, um die Masse zu entzerren. Aufgestellt habe ich mich in Startblock 2, der den Vorteil hat, dass es zuerst nur geradeaus geht. Startblock 1 führt zu Beginn durch die Sachs-Kurve, im Anschluss daran treffen sich beide Startfelder und nach etwa 800 m laufen dann alle die gleiche Strecke.
Den Countdown zum Start hat wieder “Sirius” vom “Alan Parsons Project” begleitet. Von der Inszenierung nicht ganz so prickelnd wie vor Jahren bei den Chicago Bulls, trotzdem trägt der Song für sportliche Höchstleistungen bei.
Peng! Vom Fahrrad aus schießt Fräulein Mockenhaupt in einem lila Daunenmantel den Startschuss ab und versucht auf dem etwas zu großen MTB das Tempo der Spitzenläufer zu halten. In meinem Startblock komme ich überraschend gut weg und bleibe mit ein paar anderen erstmal an der Spitze. Selbst nach knapp einem Kilometer sieht das noch viel zu gut aus, der Blick auf die Uhr verrät aber schon das viele zu hohe Tempo von 3:20 min/km. Also etwas Gas rausnehmen.
Nach einer guten 3:38er Zeit auf dem zweiten Kilometer lichtet sich das Feld, ich hänge zwischen zwei Gruppen. Neben Gegenwind kommt bei mir das Problem dazu, dass ich keinen Läufer finde, von dem ich mich ziehen lassen kann. Das war letztes Jahr besser und aufgrund dessen sind die folgenden Rundenzeiten eher bescheidene 3:46er Zeiten. Eine neue PB wird also knapp und wenn dann nur durch den eigentlich viel zu schnellen Start ermöglicht.
Auf dem achten Kilometer hat mich der ominöse Mann mit dem Hammer eingeholt. In Fachkreisen kann dieser auch durchaus als Lewis Hamilton bezeichnet werden, der auf Rennstrecken auch gerne seine Gegner von der Ideallinie runterknüppelt. Zu diesem Zeitpunkt bin ich kurz davor, einfach auszulaufen. Wer mich allerdings auch eingeholt hat, ist das Fahrrad mit der Aufschrift “1. Frau”. Das ist meine mentale Rettung.
Nach einer 3:55er Runde ziehe ich nochmal los, um zumindest ein Ziel zu erreichen, nämlich nur Männer vor mir zu haben. Das ist jetzt bitte nicht falsch zu verstehen… Mit letzten Kräften laufe ich über die Ziellinie und schaue auf den Forerunner. 37:32 min sollten es offiziell sein – also doch beide Ziele erreicht!
Für ein Bier mit Christian hat es dann leider nicht mehr gereicht. Erstens weil es (glaube ich) kein Bier gab und zweitens weil ich ziemlich schnell die Heimreise angetreten habe. Das Rennen war dann doch zum Ende qualvoll, die Bilder machen es zum Teil deutlich. So habe ich dann auch Christoph leider nicht mehr getroffen. Aber es gibt ja noch genügend weitere Läufe.
Meine Bestzeit des letzten Jahres habe ich 2011 also doch noch geknackt, Streckenrekord ist damit eingestellt. Das im doppelten Sinne, denn auch der Sieger des Laufes Philip Ruto hat eine neue Bestmarke aufgestellt mit 30:39 min. Das ist dann doch eine andere Welt, wahrscheinlich würde auch hier Niki Lauda seine Mütze ziehen. Und die Prognose, dass eine Frau das Rennen gewinnt, wäre damit ohnehin nicht eingetreten. Ob mit oder ohne lila Daunenmantel. Hier ist mein Lauf:











Hallo Florian,
ein schöner Bericht. Und dafür, dass Dir die Motivation gefehlt hat, ist ja ein tolles Ergebnis dabei rausgekommen. Glückwunsch nochmal zur Bestzeit! Hockenheim ist auch für mich ein gutes Pflaster. Drei Teilnahmen, drei Bestzeiten. Die Strecke ist anscheinend schnell, auch wenn es mir während des Laufs nicht immer so vorkam. Teilweise Gegenwind und gelegentlich langgezogene leichte Steigungen. Und die fiese Sachskurve musste ich dreinmal nehmen. Aber dennoch Bestzeit. Schade, dass wir uns nicht mehr gesehen haben. Bier habe ich zwar auch nicht entdeckt, aber ein Stück Kuchen hätten wir essen können. Vielleicht ein andermal. Wir sehen uns. Bestimmt.
Hallo Florian,
WOW – tolle Zeit! Herzlichen Glückwunsch! Da hast’e aber noch mal einen rausgehau’n! Aber wenn der Nachwuchs zuguckt – da muß der Papa schon mal zeigen, was er kann ….
Grüße aus Köln!
Mario
Wenn nur …
Das kann man irgendwie oft schreiben. Die Luft nach oben ist noch groß.
Soweit aber erstmal Glückwunsch zu dieser neuen Bestzeit!
Danke euch allen! Mal sehen, ob nächstes Jahr mehr geht…
Glückwunsch zu dieser super Zeit. Hockenheim ist immer für eine Bestzeit gut. Bei mir war es zwar diesmal nicht so weit, aber es steckte mir noch die Staffel aus Frankfurt in den Knochen. Es war aber trotzdem der schnellste 10er von mir in den letzten 12 Monaten. Allerdings bin ich erst 13 Minuten nach Dir ins Ziel gekommen. Vielleicht ergibt sich nochmal die Gelegenheit sich im RL zu treffen.
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