Da kommen sie wieder, die guten Vorsätze und die großen Pläne für das neue Jahr. Zumindest die guten Vorsätze werden zügig mal wieder auf das nächste Jahr verschoben oder komplett unter den Teppich gekehrt. Auch Achim Achilles hat festgestellt, dass oftmals das Ziel des Vorsatzes ein Problem hat: Es ist einfach zu groß. Ich kann mir gut vorstellen, dass bei vielen mit den Vorsätzen – sei es nun mehr Bewegung, mit dem Rauchen aufhören oder weniger Alkohol – schon jetzt Mitte Januar wieder gebrochen wurde. Es kam etwas dazwischen, aber wer kann da schon etwas dafür? Das Wetter war zu schlecht, die Zigaretten wurden nicht entsorgt, die Weinflasche war noch offen. Alles Fälle höherer Gewalt… Vielleicht kann man sich aber einfach selbst nicht einschätzen – und da ist man jedoch selbst schuld.
Ich erinnere mich zurück an eine Thematik irgendwann während des Kunst-LKs in der Oberstufe, auch wenn das jetzt schon über ein Jahrzehnt zurück liegt. Damals kam ich klausurbedingt bewusst mit dem Begriff Realismus in Kontakt. Allerdings nicht direkt als Kunstform, sondern eher als eine Auffassung, die mit der Stilrichtung dargestellt wird. Der Begriff Realismus besitzt in meinem Verständnis aber eine Doppeldeutigkeit: Einerseits beschreibt er natürlich die Alltäglichkeit oder Sachlichkeit und eine möglichst hohe Annäherung zur Wirklichkeit. Andererseits ist der Realismus -gerade im Kontext der Kunstrichtung- auch immer eine Interpretation der Wirklichkeit durch den Künstler. Oder durch den Läufer. Auf alle Fälle macht diese Tatsache den Realismus recht trügerisch.
Und hier schließt sich der Kreis zu den guten Vorsätzen und zur Jahresplanung. Vorsicht vor zu großen Zielen und gewagten Plänen! Ein kritisches Hinterfragen der eigenen Vorsätze ist Gold wert. Kann ich das alles wirklich stemmen? Schaffe ich das wirklich, oder übernehme ich mich etwas? Wie hat es denn in der Vergangenheit geklappt? Das trügerische ist, dass man sich seine Ziele so lange ausmalen kann, bis sie als mögliche oder wahrscheinlich eintretende Wirklichkeit interpretiert werden. Und genau so weit darf es nicht kommen. Realismus ist nicht gleich Realität.
2012 sollte bei mir das Jahr des Marathons werden. Im Vorfeld den ein oder anderen Halbmarathon und 10er und im September dann die volle Distanz. Sub 3. Mindestens. Nach einer 1:23 auf der halben Distanz letztes Jahr eigentlich machbar und ein realistischer nächster Schritt. Trotzdem schiebe ich diesen Plan nach hinten. Im Gegensatz zu gescheiterten guten Vorsätzen aber bewusst und mit Begründung. Dieses ehrgeizige Ziel scheitert nicht am Ehrgeiz selbst (der ist eigentlich in einem gesunden Umfang vorhanden), sondern an Priorisierungen und Zeit. Ein Tag hat eben nur 24 Stunden.
2012 wird ein spannendes Jahr. Neben meiner Familie und dem Job kommt in den nächsten beiden Jahren noch ein berufsbegleitendes Masterstudium dazu, da bleibt für das Laufen noch weniger Zeit als bisher. Als Ausgleich ist dieses Hobby unersetzbar, aber ein Marathon mit seiner Vorbereitung und dem Zeitziel ist dem Fall nicht realistisch. Darum wird es bei der halben Distanz bleiben und zwar nach jetzigem Stand in Kandel, Mannheim und Karlsruhe. Nach meinen Erfahrungen mit meiner eigenen Trainingslehre (
) und in Form einer kompakten Vorbereitung hält sich der zeitliche Aufwand auch in Grenzen. Das behaupte ich jetzt einfach mal und das muss er auch. Und wenn es nicht klappt, dann male ich mir das alles schön. Wie im Realismus.
Sind eure Ziele und Planungen realistisch? Wie sehen diese aus?
13. Januar 2012 um 09:17 Uhr
Sehr schöner Artikel!
Ja – bei den eigenen Zielen realistisch zu bleiben, dass fällt nicht immer leicht. “Träume Dein Leben” ist halt doch manchmal einfacher, als “Lebe Deinen Traum”.
Als berufstätiger Ehemann und Vater von zwei kleinen Kindern, mußte ich die letzten drei Jahre auch lernen, dass ein Tag eben nur 24 Stunden hat und man davon auch wenigstens ein paar Stunden schlafen sollte. Ansonsten holt einen nämlich genau diese von Dir beschriebene Realität ganz schnell ein.
Als ich vor 2 Jahren wieder mit dem ambitionierten Laufen begann, habe ich auch recht schnell das Wort “Marathon” in den Mund genommen. Mittlerweile habe ich das allerdings wieder verworfen. Mir fehlt einfach die Zeit dafür. Mir stehen täglich maximal 2 Stunden Trainingszeit zur Verfügung, welche i.d.R. zwischen 20 Uhr und 22 Uhr (wenn die Kinderlein im Bettchen sind
) liegen. Da muß aber dann auch alles – also Einlaufen, Laufen, Auslaufen, Dehnen etc. – erledigt sein. Danach noch Duschen und bisschen “Couching” – so bleiben meist um die 7 Stunden Schlaf. Das geht noch in Ordnung. Wochenende ist seit 2012 komplett trainingsfrei! Samstag und Sonntag dienen ausschließlich der Erholung. Und der Papa gehört der Familie und übernimmt auch gern mal Aufgaben (z. B. Wohnung wischen, Wocheneinkauf usw.), für die unter der Woche keine Zeit sind.
Ja – so läuft das. Und da wüßte ich beim besten Willen nicht, wann ich z.B. einen langen 35er-Lauf unterbringen soll. Aber das will ich auch gar nicht. Ich möchte mich in diesem Jahr besonders auf die 10km-Distanz konzentrieren. Hintenraus im Oktober dann noch den Kölner Halbmarathon und fertig. Da ist genügend zu tun!
Dir alles Gute für 2012 und genug Realismus bei allen Planungen!
Grüße aus Köln!
Mario
13. Januar 2012 um 09:37 Uhr
Zu hohe Ziele? Alles eine Frage der Einstellung und der Planung. Für mich ist ein Ziel eine Richtung, in der ich mich bewegen will. Am Ende sollte dann das Optimum stehen. Durch die Methodik stören mich erste Rückschläge nicht, auch wenn das Maximale bereits außer Reichweite liegt. Aber das Ziel bereits Anfang Februar erreicht zu haben, ist doch öde. Alternativ könnte man sich Milestones setzen, dafür aber immer im Endmonatsstress enden.
Aim high!
13. Januar 2012 um 12:41 Uhr
Ziel und Zielsetzung sind halt oft zwei unterschiedliche Paar Laufschuhe.
Klar, auch ich als Laufanfänger hab oft mal das Ziel “Marathon” im Kopf. Aber sogar ohne Kinder würde mir dieses doch aufwändigere Training in Zeitnot bringen. Und vor allem pocht bei mir immer die Frage im Kopf: Was ist zum jetztigen Zeitpunkt möglich / sinnvoll. Auch das sind wieder zwei verschiedene Dinge. Gut, dass bei mir mein Körper mitentscheidet. Wenn der sagt: Hee, das reicht. Dann macht der das auch recht deutlich.
Ein Trainingsplan, der ruhig auch ein wenig ambitioniert sein darf, muss sein. Ohne geht gar nicht, da bin ich zu undiszipliniert. Habe ich mein Ziel vor Augen, dann halte ich mich daran was, in meinem Fall, Mr. Steffny sagt.
Ich glaube, dass jeder Mensch, wenn er nicht gerade ein Typ ist, der sich selbst ignoriert, merkt, wann er wieviel powern kann und mit welchem Zeitaufwand trainiert werden soll/kann.
Am wichtigsten ist mir einfach, dass ich Spaß bei der Sache habe. Und, wie ich letztes Jahr schon bemerkte, ist es gar nicht so hilfreich, wenn man mal zuviel will.
In diesem Sinne: Viel Spaß im Jahre 2012.
13. Januar 2012 um 13:28 Uhr
Danke für die Kommentare bis jetzt!
Wie man hier bereits rauslesen kann steht eins definitiv bei uns allen im Vordergrund: Spaß! Was Spaß bereitet ist bei jedem unterschiedlich, Spaß macht es aber wenn die eigenen Ziele erreicht werden. Oder wenn man zufrieden mit sich ist, egal was das bedeutet. Keinen Spaß macht es – und da sind wir uns alle einig – an zu hoch gesteckten Zielen zu scheitern und in ein tiefes Laufloch zu fallen…
13. Januar 2012 um 17:47 Uhr
Hallo Florian,
schön erkannt, gut dass du Realist bleibst. Das schöne an den Vorsätzen ist ja immer die Zeitspanne bis zu dem Punkt wenn man sie Vorsätze dann umsezten muss. In der Zeit fühlt man sich unglaublich gut, die Ernüchterung ist dann allerdings um so größer. Ein MT unter 3 Stunden ist aber auch eine Ansage. Ein Marathon sind halt keine zwei halben, jedenfalls nicht wenn man sie am Stück läuft.
Das schöne ist, der MT läuft dir nicht davon, Dein Studium schon, oder?
Grüße -timekiller-
16. Januar 2012 um 22:27 Uhr
Nachdem ich im letzten Jahr gleich mehrere PBs aufgestellt habe, ist mein Ziel für dieses Jahr bei Läufern eher selten zu finden: möglichst keine PBs laufen
Da es mir nach dem einen oder anderen Lauf schon mal ziemlich schlecht gegangen ist, möchte ich in diesem Jahr gut und nach Trainingsplan trainieren, mir aber dann den Luxus gönnen, „unter meinen Möglichkeiten“ zu laufen und die (möglichst neuen) Wettkämpfe zu genießen…
Auch ein Ziel, das nicht jeder Läufer so einfach hinkriegt, der Ehrgeiz kommt meist doch wieder hoch, aber es müsste zu schaffen sein. Ich freue mich auf jeden Fall schon drauf!
Dir auf jeden Fall viel Spaß beim Training 2012, lass es einfach auf dich zukommen. Und wie bereits zuvor gesagt wurde: Der Marathon kann auch noch ein wenig warten…